ctrl

Gloria Damijan, (Toy-)Piano
Bernd Klug, (Kontra-)Bass
Meike Melinz, Flöte
Bernhard Schöberl, Gitarren
Gabi Teufner, Flöte

Jedes singuläre Ereignis steht immer im Kontext des Gesamtbogens, das Ensemble reagiert so sensibel auf das Einzelne, alles wirkt so wohlüberlegt und feinziseliert, dass man manchmal meint, man habe es mit komponierter Musik zu tun. (Stephan Sperlich, skug)

Und doch alles improvisiert, im Moment geschaffen, erfunden, kommuniziert. Eine Gruppe klassisch und populärmusikalisch ausgebildeter Musiker in erweiteter kammermusikalischer Besetzung auf der Suche nach der Grenze der Kontrolle, die ein Einzelner auf die Musik, noch mehr auf die Band, haben kann. Die Musik als Ausdrucksform sozialer Umfangsformen, abstrahierte Kommunikation, in Klang gegossenes Arrangement gegensätzlicher oder uniformer Standpunkte: Genussvolles Scheitern an dem Versuch, die Sache unter Kontrolle zu halten und sich doch zu unterwerfen: der Sache, dem Ensemble, dem Klang, der Musik. Scheitern am Versuch, aus zu Linien und Punkten komprimierten Klangflächen quasi-architektonische Konstrukte zu entwickeln und sich stattdessen von pulsierenden Klangströmen mitreißen zu lassen und alles über den Haufen zu werfen.

crtl erforscht im Gewöhnlichen das Außergewöhnliche, entdeckt im Allgemeinen das Besondere und lässt in dem, was wir kennen, das Unbekannte erfahrbar machen. Hier herrschen das Heilige des Alltags und die Kraft der Antizipation. ctrl bedeutet Fragen, Denken, Wagnis: und das alles erfrischend neurotisch, plasmatisch, subtil, konsequent. (Burkhard Stangl)

http://ctrl.klingt.org
http://www.myspace.com/ctrlvienna

so steht's normalerweise über ctrl geschrieben, beim kleinen symposion probieren sich die musiker auch erstmals an einer ihnen auf den leib geschriebenen komposition.

niklas seidl

geboren 1983 in Bremen spielte in seiner Jugend hauptsächlich E-Bass in Bands und bekam zudem ordentlichen Unterricht auch im Cellospiel.
Seit 2003 Studiert er an der HMT Leipzig Cello und Barockcello bei Prof. Peter Hörr sowie seit 2007 Komposition bei Prof. Claus-Steffen Mahnkopf. Seit 2007 Cellostudium in an der Musikuniversität Wien bei Prof. Herwig Tachezi. Sammelte als zeitgenössischer Cellist Erfahrung im Klangforum Wien und dem Lucerne Festival Academy Orchestra, lernte u.a. vom ensemble recherche, Andreas Lindenbaum, Lukas Fels, Eric-Marai Couturier und Rohan de Saram. Macht seit 2005 experimentelle Hörspiele, einige davon auf Festivals (zuletzt Hörspielmühle Dresden sowie ARD OnlineWettbewerb).


zur uraufführung des abends:

die achsel des bösen

das Stück setzt sich mit der kritischen Haltung des Komponisten gegenüber der Improvisation auseinander. Der Vorwurf besteht hauptsächlich darin, dass eine Improvisation zwar den Vorteil haben kann, ad hoc auf eine Situation einzugehen, somit eine Freiheit des Momentes und des Improvisateurs birgt, jedoch dafür die Freiheit des Überdachten aufgibt: Die Freiheit, vorher in Gedanken und auf dem Papier allerlei Experimente durchzugehen und ein Stück durchweg zu planen, ist traditionell die Aufgabe eines Komponisten. Der Vorteil hierin besteht,   Plattitüden, Kurzschlusshandlungen oder dem Rückgriff auf alte, profilierte Lösungen nicht zu verfallen. Ein vorkomponiertes Stück kann, sofern der Komponist dies will, immer nach neuen Lösungen suchen und schlechte Ideen und unerwünschte Passagen vorweg verhindern. Dadurch bleibt das Stück aber statisch und kann sich nicht mit Ort und Zeit bewegen. Ob diese festgefahrene und vielleicht konservative Haltung wirklich sinnvoll ist, könnte sich an diesem Experiment herausstellen:
Dem extrem streng Komponierten Material, das als Grundlage all die Dinge, die in einer Improvisation eher untypisch sind (Kurze Impulse, Zusammenspiel, Entwicklung von Akkorden und Material...), benutzt und diese in eine strenges präkompositorisches Zeitnetz einordnet, sind frei improvisierte Teile gegenübergestellt, die nahtlos ineinander übergehen. Wenn der Hörer diese Unterschiede wahrnimmt, kann er sie gegenenfalls beurteilen und es zeigt sich schlimmstenfalls,dass es einen Gewinner im Sinne des concertare gibt, im Idealfall aber wird sich erweisen, dass die Teile sich wunderbar ergänzen.
Der Titel parodiert die autoritäre Haltung des Komponisten, der sich mit diesem Projekt in die Höhle des Löwen, die Achsel des Bösen, begibt.

programm

aufnahmen:

die achsel des bösen

das eine

das andere